Anhörung:
Alleinerziehende in der aktuellen hohen Inflation nicht allein lassen


Schnittstellen zum Steuerrecht und Unterhaltsrecht
Dr. Romy Ahner vom
Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge wies im Zusammenhang mit steuerlichen Entlastungen darauf hin, dass dabei auf etwaige unerwünschte Wechselwirkungen mit anderen Geldleistungen geachtet werden müsse.

Mit Blick auf die von der Ampelkoalition geplante Einführung einer Kindergrundsicherung komme es darauf an, wie die Schnittstelle zum Steuerrecht und zum Unterhaltsrecht ausgestaltet wird.


Entlastung steuerzahlender Alleinerziehender
Die Schnittstellenproblematik sah auch Alexander Nöhring vom Zukunftsforum Familie. Zwar würde ein steuerlicher Abzugsbetrag steuerzahlende Alleinerziehende deutlich besser entlasten. Viele Alleinerziehende seien aufgrund ihrer Armutsbetroffenheit aber überhaupt nicht oder nur in geringem Umfang steuerpflichtig.

Nöhring plädierte für die im Koalitionsvertrag vorgeschlagene Einführung einer Steuergutschrift, um geringverdienende Alleinerziehende in Form einer „negativen Einkommensteuer“ zu unterstützen.

„Steuergutschrift gut überlegen“
Prof. Dr. Anne Lenze von der Hochschule Darmstadt befürwortete einen höheren Entlastungsbetrag, wobei man diskutieren müsse, ob die im Unionsantrag vorgeschlagenen 5.000 Euro ausreichen.

Für Matthias Dantlgraber vom
Familienbund der Katholiken muss die Umwandlung des Entlastungsbetrags in eine Steuergutschrift gut überlegt werden. Ob sie befürwortet werden könnte, hänge von ihrer Höhe ab.

„Nachteilsausgleich für Alleinerziehende“
Laut Uwe Rauhöft vom
Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine gibt es keine Definition, welche Belastungen der Entlastungsbetrag abgelten soll. Der Entlastungsbetrag sei ein Nachteilsausgleich für Alleinerziehende, die das steuerliche Ehegattensplitting nicht nutzen können. Er könne den Splittingvorteil der Ehepaare aber nicht kompensieren.

Rauhöft machte zudem auf das Problem aufmerksam, dass der Entlastungsbetrag für ein jüngeres Kind entfällt, wenn bei einem älteren Alleinerziehenden-Kind altersbedingt das Kindergeld gestrichen wird, obwohl das ältere Kind weiterhin im Haushalt verbleibt.

Hälftige Kindergeld-Anrechnung auf Unterhaltsvorschuss
Einhellig begrüßten die Sachverständigen den Vorschlag im Unionsantrag, das Kindergeld nur noch hälftig auf den Unterhaltsvorschuss anzurechnen. Bis Ende 2007 war das Kindergeld nur zur Hälfte von der Höhe der Unterhaltsvorschussleistung abgezogen worden, seit 2008 gilt die volle Anrechnung des Kindergeldes – eine damalige „Sparmaßnahme“, die rückgängig gemacht werden sollte, so der Tenor.

Regina Offer von der
Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände unterstützte die Forderung ebenfalls, erinnerte aber zugleich an den Finanzierungskonflikt zwischen Bund und Ländern im Zusammenhang mit der Reform des Unterhaltsvorschussgesetzes 2017.

Höherer Wohlgeld-Freibetrag und höherer Kinderbonus
Auch weitere Forderungen der Unionsfraktion, den Freibetrag für den Wohngeldbezug von Alleinerziehenden von derzeit 1.320 Euro jährlich um 20 Prozent zu erhöhen und kurzfristig den im Juni beschlossenen Kinderbonus für Alleinerziehende von 100 auf 150 Euro anzuheben, stießen auf Zustimmung.

Für Daniela Jaspers vom
Verband alleinerziehender Mütter und Väter wäre die Anhebung des Freibetrags beim Wohngeld ein richtiger und zielgenauer Ansatz, weil sie dazu beitragen könnte, Nachteile von Alleinerziehenden auf dem Wohnungsmarkt abzumildern.

Ein höherer Kinderbonus lässt sich für Dr. Ulrike Spangenberg vom
Deutschen Juristinnenbund gleichheitsrechtlich mit den besonderen inflationsbedingten Belastungen von Alleinerziehenden begründen, die im Verhältnis zum Haushaltseinkommen etwas höher seien als die von Paarfamilien. Anne Lenze von der Hochschule Darmstadt meinte, der Kinderbonus sei im Antrag etwas „nebulös“ gehalten, aber: „Geld hilft immer.“

Antrag der CDU/CSU
Die CDU/CSU-Fraktion hatte ihren Antrag damit begründet, Alleinerziehende seien von den aktuell stark gestiegenen Verbraucherpreisen besonders betroffen.

Studien zufolge gelte beinahe die Hälfte der Eltern, die sich allein um ihre Kinder kümmern, als „einkommensarm“ und lebe in „prekären Verhältnissen“. (vom/20.06.2022)

Zeit: Montag, 20. Juni 2022, 14 Uhr bis 16 Uhr
Ort: Berlin, Paul-Löbe-Haus, Sitzungssaal 2.200

 

Alleinerziehende in der aktuellen hohen Inflation nicht allein lassen
Antrag von CDU/CSU im Bundestag 


Per Sofortmaßnahme sollen Alleinerziehenden der steuerlichen Entlastungsbetrag auf 5.000 Euro angehoben, das Kindergeld nur hälftig auf den  Unterhalts-vorschuss angerechnet werden.

 

Außerdem soll kurzfristig und unbürokratisch ein Kinderbonus in Höhe von 150 Euro eingeführt und der Freibetrag nach Paragraf 17 Nummer 3 des Wohngeldgesetzes für Alleinerziehende um 20 Prozent nochmals angehoben werden.

 

Der Antrag kann hier gelesen werden. 

Radiointerview im OKJ

Unsere Vorsitzende war zu Gast beim OKJ Jena und gab ein Interview zusammen mit IKOS Jena, dem Beratungszentrum für Selbsthilfe. Thema: Die Gesundheit von Alleinerziehenden vor und während der Pandemie.

Hier kann das Interview gehört werden:

Unsere SHIA Vorsitzende erhält Frauenpreis 2021 der LINKEN Thüringen 

Schau dir hier die Pressemitteilung dazu an.

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